Das Soesterkwartier ist ein Wohnviertel in Amersfoort – einer mittelgroßen Stadt in den Niederlanden. In Deutschland ist Amersfoort weitestgehend unbekannt obwohl es von der Größe her vergleichbar ist mit einer Stadt wie Freiburg, nur dann viel flacher. Amersfoort ist reich an nachhaltigen Vereine und Organisationen die sich einsetzen für eine grüne, energiesparende und gesunde Stadt. Einer der jüngsten und erfolgreichsten Vereine – wenn man die Vielfalt der Aktionen, den Beitrag zum Energiebewusstsein und die Teilnahmefreude als Maßstab nimmt – ist der Verein Nachhaltiges Soesterkwartier. Was 2009 begann mit einer ‚grünen‘ Umfrage per email im Wohnviertel ist mittlerweile ein ausgewachsener Verein mit mehr als 200 Mitgliedern und 10 aktiven Projekten:

  • Straßen Project gemeinsam isolieren

Die 5000 Häuser im Soesterkwartier stammen aus den 30er Jahren und sind nicht isoliert. Nachträgliche Kerndämmung der Wände, des Daches und des Fußbodens sowie das Auswechseln der Einfachverglasung sind lohnende Maßnahmen. Da die Häuser einander ähneln lohnt es sich Massnahmen kollektiv zu treffen.

  • Teilauto’s

Das Wohnviertel ist nicht ausgelegt für die anwachsende Zahl der Auto’s. Viele Vorgärten, Bäume und Fußwege sind im Laufe der Jahre Parkplätzen gewichen. Die Parkplatzsuche wird immer langwieriger. Eine Gruppen von 15 Leuten hat 2014 angefangen sein Auto als Teilauto fürs Viertel bereit zu stellen. Innerhalb einem Jahr ist hiervon schon 100 Mal Gebrauch gemacht. Man kann natürlich auch einen Anhänger, ein elektrisches Fahrrad und en typisches Holländisches Bakfiets ausleihen. Das Ausleihen regelt man einfach über einen MyWheels-App auf dem Telefon. Ein Anfang ist gemacht.

  • Nachhaltige Nachbarschaftsökonomie

Ein Problem dass man auch in Deutschland kennt: Immer mehr kleine Läden verschwinden und man muss immer weiter fahren um seine Einkäufe erledigen zu können bei den großen Supermarktketten. Mit dem Project Nachbarschaftsökonomie probieren die Bewohner des Soesterkwartiers die kleinen Läden und mit ihnen verbundenen Arbeitsplätze im Wohnviertel zu halten. Hierfür ist eine lokale Währung eingeführt: Florijn.

  • Der gute Nachbar

‚Der gute Nachbar‘ hat sich entwickelt von einem hilfsbereiten Nachbarn aus Fleisch und Blut zu einer Grundeinstellung. Man hilft einander wo man kann. Eine ‚soziale Karte‘ vom Viertel hilft um Organisationen zu finden die sozial schwächere Nachbarn professionelle Hilfe bieten können wenn es die Kompetenz des guten Nachbarn übersteigt.

  • Vision Nachhaltiger Wagenwerkplaats

Das Soesterkwartier ist ursprünglich ein Arbeiterviertel von der Niederländischen Bahn. Es wurde direkt nördlich der Gleisanlage errichtet. 100 Jahre lang, bis zum Jahr 2000, arbeiteten sehr viele Bewohner aus dem Soesterkwartier auf der Gleisanlage – dem sogenannten Wagenwerkplaats. Die Arbeitsgruppe Vision Nachhaltiger Wagenwerkplaats beschäftigt sich mit der Zukunft dieses 25ha großen Gebietes inklusive der Umnutzung der charakteristischen industriellen Gebäude.

  • Soesterhof

Neubau von ca. 40 ökologischen Wohnungen auf dem Wagenwerkplaats im Auftrag einer privaten Baugemeinschaft von zukünftigen Bewohnern.

  • Die Grüne Spur

Eine natürliche Grünverbindung von der Innenstadt über den Wagenwerkplaats zum Wald Birkhoven. Diese grünen Wege oder Inseln sind zum Beispiel Spielplätze, Wiesen oder einfach auch eine grüne Zone entlang der Straße. Diese Verbindungszone ist immer in Entwicklung.

  • Sonnenstromschule

Bewohner aus dem Soesterkwartier und Großeltern von Kindern investieren in Solarzellen auf dem Schuldach. Auf einer von den vier Grundschulen liegen mittlerweile 60 Solarzellen. Jeden Morgen können die Kinder auf dem Murmel Display ablesen wie viel nachhaltigen Storm sie schon erzeugt haben.

  • Sonnenstromgemeinschaft

Auch in den Niederlanden ist es lohnend selbst Stromerzeuger zu werden mittels Solarzellen auf dem eigenen Dach. Eine Solaranlage verdient sich nach ungefähr acht Jahren zurück und wirft mehr Gewinn ab als ein Sparkonto bei der Bank. Das sehr diverse Angebot an Solarzellen schreckt Konsumenten jedoch ab. Darum organisierte die Sonnenstromgemeinschaft den gemeinschaftlichen Einkauf von Solaranlagen bei einem lokalen Anbieter mit gutem Preis- Leistungsverhältnis.

  • Viertelmühle

Vier Windmühlen am Rande des Industriegebiets können den Strombedarf des Soesterkwartiers decken. Die Gemeinde hat allerdings noch nicht beschlossen ob auf Ihrem Grundgebiet überhaupt Windmühlen zur Stromerzeugung gebaut werden dürfen. Dies ist damit wohl das langwierigste Project vom Verein Nachhaltiges Soesterkwartier bei dem noch viele bürokratische, regeltechnische und finanzielle Hürden genommen werden müssen. Zum Glück wohnen im Soesterkwartier entschlossene Menschen mit viel Ausdauer.

 

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